U7 bis Schönefeld verlängern

In Berlin wird immer viel herumgepfuscht. Nichts klappt richtig. Die Schulklos nicht. Die Bürgerämter nicht. Und Wohnungen für Normalverdiener gibt es auch nicht genug. Egal ob Oper, Flughafen oder Museumsinsel – fast jedes größere Bauprojekt dauert länger und wird teurer als geplant. In der Zeit war gerade ein genialer Aufsatz über das große Scheitern unserer Stadt. (Leider hinter einer Bezahlschranke, aber die privaten Verlage müssen ja auch von was leben, da sie keine Zwangsgebühren kassieren können wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk.)

Heute nun sind mal mehrere Verkehrsprojekte in einen meiner Ausschüsse (Bund/EU/Medien) gespült worden. Wir durften uns mit einer weiteren Facette des Wahnsinns befassen: der Tatsache, dass der superdupermegapraktische Großflughafen BER nicht ans U-Bahnnetz angeschlossen ist und auch nicht angeschlossen werden soll. Wie kann das sein?

Fahrt zum immer noch unfertigen Großflughafen

Nun ja. Liegt das vielleicht daran, dass eine Ubahnlinie, an die der neugebaute Flughafen angeschlossen werden könnte, einfach zu weit weg ist? So zum Beispiel, als wäre BER in Oranienburg und sollte an die U6 angeschlossen werden? Das wäre ein weiter Weg. Aber das ist nicht der Fall. Die U7 fährt bis Rudow, das ist ganz nahe am Flughafen Schönefeld. Aber keiner denkt daran, die Linie zu erweitern.

Warum das so ist? Wegen der Teilung – und weil Berlin von überforderten Provinzbürokraten regiert wird. Die U7 liegt im Westteil der Stadt. Schönefeld war der Flughafen von Ostberlin. Bis 1989 war ein Anschluß unmöglich. U7 und SXF lagen in zwei unterschiedlichen Welten.

Doch nach der Wiedervereinigung hätte der Anschluss sofort umgesetzt werden müssen. Passiert ist 27 Jahre lang nichts. Gut, Berlin hatte auch andere Probleme zu lösen, aber spätestens als in den Nullerjahren feststand, dass der lange geplante neue Flughafen in Schönefeld gebaut wird, hätte dieses Projekt in Angriff genommen werden müssen.

Stattdessen investierte die Stadt mehr als eine halbe Milliarde Euro für eine Bahnlinie zwischen Hauptbahnhof und Alexanderplatz – obwohl exakt diese Strecke bereits von der Sbahn bedient wird. Übrigens inklusive der üblichen Kostensteigerungen und Bauverzögerungen. Das Geld für diese Kanzler-Ubahn wäre in Schönefeld besser eingesetzt worden.

Jetzt hat meine Fraktion einen entsprechenden Antrag zugunsten einer U7-Erweiterung eingebracht. Die CDU kam mit einem ziemlich ähnlichen Vorhaben daher. Und auch die FDP sprach sich für das Vorhaben aus, die Bahn das kleine Stück zu verlängern. Die Regierungsparteien mussten pflichtschuldig dagegen argumentieren und warfen uns Verschwendungssucht vor. (Das sagen die Richtigen.)

Der Kollege Stefan Gelbhaar (Grüne) berichtete, er habe das in der vergangenen Legislaturperiode abgefragt. Es sei unbezahlbar (“mehrere Hundert Millionen Euro”). Die Vertreter von Linkspartei und SPD untermauerten dies. Zu lang. Zu teuer. Jetzt war von 700 Millionen Euro die Rede. Und schließlich ist der neue Flughafen ja bereits an die Sbahn angeschlossen. Das stimmt, aber die Sbahn macht einen großen Bogen nach Osten und bringt die Leute erstmal Richtung Alexanderplatz. Eine schnelle Anbindung der der westlichen Stadtbezirke gibt es nur mit der U7.

Dann hieß es, die Strecke sei 10 Kilometer lang, wovon acht Kilometer in Brandenburg lägen, was die dortige Kommune bezahlen müsste, aber nicht wolle. Nun ja. Zehn Kilometer hielt im Faktencheck nicht so richtig stand. Die Luftlinie für die gesamte Strecke beträgt in der Tat knapp sechs Kilometer. Aber bis zum alten Flughafen Schönefeld sind es lediglich 3.000 Meter. Da liegt eine Einfamilienhaussiedlung, unter der gebaut werden müsste.

Doch dahinter könnte die Bahn ja oberirdisch fahren, was wesentlich günstiger ist.  Die Baukosten würden längst nicht so immens ausfallen, wie uns die Volksfrontparteien glaubhaft machen wollten. Zumindest nicht, wenn eine seriöse Landesregierung die Sache in die Hand nähme.

Oberirdische Ubahn gibt es oft in Berlin

Es ist klar: So eine Ubahn-Erweiterung ist nicht zum Nulltarif zu haben. Und als Oppositionsabgeordneter ist es immer leicht, Forderungen aufzustellen. Trotzdem ist hier der Nutzen so offensichtlich, dass ich mich frage, wieso dieses vergleichsweise kleine Stück Ubahn nicht schon längst gebaut worden ist. Doch erwartungsgemäß wurde unser Antrag heute von der Regierung abgelehnt.

Der nächste Tagesordnungspunkt war ein Antrag der Volksfrontparteien “Mehr Regionalverkehr auf die Schiene”. Darin fordern sie an anderer Stelle (u.a. Spandau) Lückenschlüsse bei der Sbahn. Vielleicht denken sie ja auch über das Projekt Verlängerung der U7 nach und bringen unseren Antrag in ein paar Wochen selbst neu ein. Würde mich nicht überraschen.

U7 bis Schönefeld verlängern
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