„Ihre BVG-Jahreskarte ist kaputt“

Neulich in der S-Bahn: Fahrkartenkontrolle. Ich hole meine Plastikkarte raus und reiche Sie dem Kontrolletti, einem jungen Mann mit Hertha-Jacke. (Die Verkleidungen der Kontrolleure in Zivil werden auch immer besser.)

Er hält die Karte gegen sein Lesegerät. Einmal, zweimal. „Die ist kaputt“, sagt er. „Aha“, antworte ich. „Und nun?“ „Ihren Personalausweis, bitte.“

Ich zeige ihm meinen Ausweis, und er beginnt meine Daten zu erfassen. Der Zug fährt in einen Bahnhof ein, fährt wieder weiter. Dann druckt mir die Hertha-Jacke einen Zettel aus, als wäre ich schwarz gefahren. Feststellungsbeleg 50709000134111. Unter Beanstandung steht da: „Prüfm. nicht prüfbar.“ Forderung: 60,00 Euro, zahlbar in 14 Tagen. Den Ausweis kriege ich zurück, die Abokarte nicht.

Bevor ich was sagen kann, beruhigt er mich: „Das zeigen Sie den Kollegen, wenn Sie auf der Weiterfahrt nochmal kontrolliert werden. Die Forderung nach den 60 Euro ignorieren Sie einfach. Sie kriegen eine neue Karte, die Sie in den nächsten 14 Tagen am Ostbahnhof abholen können.“

Ok. Neue Karte. Alles gut. Aber… zum Ostbahnhof? Ich so: „Können Sie mir die nicht schicken?“ „Nein.“ „Und was ist wenn ich heute zurückfahre, kann ich dann immer noch diesen Beleg vorzeigen und muss keine Strafe befürchten.“

Jetzt – Überraschung, Überraschung – folgende Antwort: „Nein. Sie müssen die Karte am Ostbahnhof abholen in den nächsten 14 Tagen, aber noch nicht morgen. Die Stelle wird erst morgen um 14 Uhr überhaupt darüber informiert, dass eine Karte angefordert ist.“

Da frage ich mich, warum das so lange dauert. Deren Geräte sind doch alle online. Wieso dauert es 30 Stunden, bis der Auftrag ausgelöst wird, eine neue Karte zu erstellen? Wieso können die das nicht vor Ort einfach so machen? Die alte Karte wird zentral deaktiviert. Eine neue wird in Betrieb genommen und dem Abokunden auf Wunsch ausgehändigt. Wozu haben wir all diese neuen digitalen Spielzeuge?

Ich insistiere freundlich, dass ich aber keine Fahrkarte mehr habe, die ich vorzeigen kann. Was mache ich in der nächsten Kontrolle. Die Hertha-Jacke holt den Chef. Der Chef (50+) erklärt mir freundlich: „Sie müssen sich Einzelfahrscheine holen. Bewahren Sie die Fahrscheine auf.“ Ich so: „Das kann ich machen. Aber was nutzt es mir, wenn ich die Fahrschein aufbewahre? Wenn, dann will ich das Geld erstattet bekommen, schließlich bin ich Vertragskunde mit einem Jahresvertrag. Warum sollte ich die Fahrscheine kaufen?“ „Bewahren Sie die Fahrscheine auf.“ „Aber ich muss sie doch irgendwo erstattet bekommen, oder? Wo kann ich mich da hinwenden?“

Ich merke, wie ich ihm lästig werde. „Bewahren Sie die Fahrscheine auf.“ Bevor ich abermals fragen kann wofür, steigt er schnell aus. Nun ja. Er muss wohl noch sein Tagessoll an Schwarzfahrern identifizieren.

Ich finde das problematisch. Natürlich ist das nicht der Riesenskandal. Aber die Hertha-Jacke hat mir erzählt, dass das bei ihm zwei- bis dreimal am Tag vorkomme. Das heißt, dass das in Berlin eine zwei- bis dreistellige Zahl von Betroffenen jeden Tag gibt. Das heißt auch, es gibt viele BVG-Kunden, die doppelt zahlen müssen, weil ihre Karte kaputtgeht. Oder sie machen es wie ich und riskieren, erwischt und als Schwarzfahrer abkassiert zu werden. Deswegen würde mich Ihre/Eure Meinung interessieren:

Wer hat sowas schon mal erlebt? Musste jemand die 60 Euro Strafe zahlen, weil seine Karte defekt war? Und was ist von diesem Vorschlag zu halten: Wenn eine Karte kaputtgeht, kann ein Abokunde am Verkaufsstand auf Bahnhöfen gegen Abgabe seiner alten Karte sofort eine neue ausgehändigt bekommen.

Schreibt mir an glaeser@afd.berlin.

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