Filmförderung durch Steuersparmodell (mit Film)

In modernen Kinofilmen bekommt der Zuschauer oft gar nicht mehr mit, was gefilmt und was hinterher mit dem Computer produziert wurde. Er kann es sich nur hinterher denken. Computeranimation und visuelle Effekte setzen die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft, verleihen einem Helden unglaubliche Kräfte oder lassen Raumschiffe auf dem Flughafen Tempelhof landen.

Es ist gut, dass mittelständische deutsche Firmen in dieser Branche ganz weit oben mitspielen. Ich bin der letzte, die VFX-Firmen Hürden in den Weg legen würde. Gleichwohl lehne ich den heute und morgen im Abgeordnetenhaus diskutierten Subventionsfonds für VFX-Firmen ab. Denn: Sie können zwar die Schwerkraft auf der Leinwand außer Kraft setzen, aber nicht die Gesetze von Angebot und Nachfrage in der Ökonomie. 

Wir haben andere, bessere Vorschläge wie Filmfirmen nach Berlin gelockt werden können.

Parlamentsrede zur Subventionsgießkanne für VFX-Firmen, 20. Februar 2020

Die Konsensparteien sagen in ihrer Antragsbegründung, die VFX-Firmen „verlagern ihre Arbeitsplätze dorthin, wo sie die besten Rahmenbedingungen finden“. Und Sie schreiben, sie wollen die Rahmenbedingungen verbessern. Na gut, das wollen wir auch. Deswegen rate ich Ihnen: Steuern und Regulierungen runter. Finanz- und andere Ämter dürfen Unternehmer nicht gängeln. Verkehr, Schule, Lebensqualität, Sicherheit – das sind alles Stellschrauben, die Berlin drehen kann, um Berlin attraktiver zu machen für Firmengründer in diesem Bereich.

Nichts davon steht in dem Antrag der Großen Koalition der Umverteiler, der einmal mehr den Unterschied zwischen den Umverteilern und der marktwirtschaftlichen Alternative unterstreicht. Sie wollen neue Subventionen, aber Subventionen sind Gift. Wenige profitieren, aber alle bezahlen.

Ludwig Erhard charakterisiert das Bedienen von Sonderinteressen in als „grundsätzlich falsch“:

Diese Ablehnung der Gruppenanliegen beruht auf meiner Überzeugung, dass es unter wirtschafts- und auch staatspolitischen Gesichtspunkten für den Staat schlechterdings nicht möglich ist, nach einem punktierten Verfahren da und dort etwas mehr oder etwas weniger an Gaben und Gnaden auszuteilen.   

Wolfstand für alle, Seite 172

Das einzige, was ich mittragen würde, wäre ein Steuersparmodell (englisch: tax rebate). Geben wir den Firmen eine zeitlich begrenzte Steuergutschrift: Wer eine VFX-Firma nach Berlin verlegt oder gründet zahlt drei, vier, fünf Jahre lang keine Einkommensteuer. Oder er zahlt für die erste Million Euro keine Steuer. Das wäre ein echter Anreiz für Firmengründer hierherzukommen. 

Und das ist auch genau das, was Experten sagen. Am 11. September sagte ein Experte auf meine Frage:

Die besten Modelle weltweit – das ist auch das, was Herr Gläser gesagt hat – sind interessanterweise Tax-rebate-Modelle. Das ist keine klassische Filmförderung, das ist Tax Rebate. Das kann jeder Grundschüler ausrechnen, wie das funktioniert. Ob das für Berlin etwas ist, was man ausrechnen kann, ist eine völlig andere Debatte. Diese Modelle gibt es woanders.

Sven Pannicke, Ausschuss für Bundesangelegenheit, EU, Medien, 11. September 2020

Dies hätte den Vorteil, dass nur derjenigen davon profitiert, der auch Gewinne erwirtschaftet, also einen meßbaren Mehrwert schafft. Wer nur auf Subventionen aus ist, kann nichts abgreifen.

Das wäre eine Politik im Sinne der Steuerzahler.

Filmförderung durch Steuersparmodell (mit Film)

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