Ronald Gläser, MdA

Der Unbeugsame

21.02.2021 | 9 Kommentare

Curt-Eberhard Jung fährt jetzt im Himmel Motorrad

Curt-Eberhard Jung (Mitte) diskutiert hinterher über einen Dokumentarfilm in Blankenburg (Juni 2020)

Curt-Eberhard Jung war eine Institution in Pankow-Niederschönhausen. Er war einer der wenigen, die alte DDR-Motorräder noch reparieren konnten. Dem Sterben der Innenstädte widersetzte er sich hartnäckig: Seine Werkstatt mit angegliedertem Ladengeschäft in prominenter Lage in der Dietzgenstraße lief. Er dachte nicht an Ausziehen – oder gar ans Aufhören.

Curt-Eberhard Jung hatte eine asiatische Frau und schüttelte deswegen schon immer den Kopf, wenn er mit dem Rassismusvorwurf (gegen die AfD) konfrontiert wurde. „Das ist doch Blödsinn“, sagt er. Er vermisste seine Frau, die schon lange tot war. Aber er wirkte nie niedergeschlagen deswegen.   

Er nahm kein Blatt vor den Mund

Seine Motivation, sich der AfD anzuschließen war klar: Sie hatte nichts mit Vorurteilen oder persönlicher Frustration zu tun, wie es unsere Kritiker gerne suggerieren. Nachdem Jung die DDR durchlitten hatte, was für ihn als Selbständigen besonders schwer gewesen ist, wollte er vermeiden, dass Deutschland wieder einer roten Herrschaft anheimfällt. Nur wer die Unfreiheit kennt, weiß die Freiheit so richtig zu schätzen. Das ist der Wissensvorsprung, den viele DDR-Bürger mit ins wiedervereinigte Deutschland gebracht haben. 

Er war ein gerngesehener Gast bei unseren Veranstaltungen, diskutierte lebhaft Vorträge oder Filme in Blankenburg. Wenn er das Wort ergriff, hörten alle zu, weil er nie lange um den heißen Brei herumredete. Fast immer kam er zu unseren Treffen mit seinem Motorrad. Er trank nie oder maximal ein Glas. Tadelloser Lebenswandel.

Er war auch sehr wissbegierig. Neulich bestellte er ein Buch mit dem Titel „Warum Polizisten AfD wählen“, das ihn erst sehr fasziniert hatte – und das er dann an andere weitergeben wollte, weil er den Inhalt so großartig fand. Er gehörte auch zu den Spendern der Partei. Die wenigstens Unternehmer finden neben ihren Geschäften noch Zeit für solche Überzeugungsarbeit. Curt-Eberhard Jung schon.

Klare Ansagen waren sein Ding

Zweimal war ich längere Zeit in seiner Werkstatt zu Gast. Einmal beim ersten Kennenlerngespräch. Da war ich schon begeistert. „Mein Laden, meine Regeln“ prangte als Spruch an der Kasse. Er liebte klare Ansagen. Er erzählte mir die Geschichten aus der Zeit der SED-Herrschaft und von seiner geliebten Frau. Ich kam immer mal wieder vorbei.

Zuletzt im Frühsommer 2020. Fahrradtour mit der Familie mitten im Corona-Lockdown. Aus irgendeinem Grund schauten wir bei ihm vorbei. Curt-Eberhard Jung führte uns über sein Grundstück, das neben einem noblen Bauprojekt lag. Die Investoren hätten auch sein Land gerne dazu gekauft und dort teure Stadtvillen errichtet. Er aber wollte nicht weichen. „Ich verkaufe nicht.“ Das war Curt-Eberhard Jung. Unbeugsam, aber freundlich. Als wir gingen, verschwand er nochmal kurz in seinem Schuppen. Er kam mit einem Gefäß zurück – und ölte allen die Fahrradketten. Fürsorglich war er auch.

Vor ein, zwei Wochen telefonierten wir zum letzten Mal miteinander. „Kommen Sie auch zu unserem Parteitag?“ Er antwortete: „Was denken Sie denn? Natürlich!“ Leider lag er da falsch. Wir warteten vergeblich auf sein Erscheinen auf dem Bezirksparteitag am 21. Februar. Curt-Eberhard Jung ist in der Nacht zuvor zu Hause verstorben. Im Mai wäre er 82 Jahre alte geworden. Gott sei seiner Seele gnädig.

9 Kommentare

  1. Rainer Vangermain

    Ein guter Nachruf. Ich vermisse ihn jetzt schon sehr und kann mir nicht verzeihen, daß ich, obwohl auch Motorradfahrer, ni cht in seiner Werkstatt vor vorbeigeschaut habe.

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    • Fred Gornig

      Für mich eine sehr traurige Nachricht, ich kannte Curd sehr gut. Er war ein guter Parteifreund. Für mich unfassbar das er nicht mehr unteruns ist. Erst vor 14 Tage reichte ich ihm ein Kaffee mit Milch auf der Demo in der Ziunskirchstr bei Beatrix von Storch. Ich bewunderte ihn weil er trotz Minustemperaturen bis zum Schluss aushielt. Auch hatten wir immer gemeinsame Gespräche da ich auch aus der DDR komme. Curd wir werden Dich vermissen. Ich werde Dich in meinen Gedanken setzen behalten. Machts gut Alter Freund und Ruhe in Frieden. Freddy

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  2. Daniel Krüger

    Ein kluger Mann, jedes Gespräch mit ihm ein persönlicher Gewinn. Sein Tod, ein großer Verlust für uns alle! Gute Reise, lieber Curt-Eberhard Jung!

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  3. Thieme

    Herzliches Beileid seinen Hinterbliebenen.
    Ich erinnere mich vordergründig an seine mahnenden Worte Differenzen doch beizulegen.Hätte ich gewusst dass er DDR- Vehicle repariert hätte ich gern meine Schwalbe ihm zur Wartung übergeben.
    So nun ein letzter Gruß hinterher.
    Tobias Thieme Bezirksverordneter Pankow

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  4. Bernd Übelacker

    Das war eine Aufrichtige und selbstbewusste Person von der Deutschland mehr benötigt. Meine Hochachtung für Ihn und mein aufrichtiges Beileid.

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  5. Christian Schwochert

    Mein aufrichtiges Beileid. Gerade Männer wie Curt-Eberhard Jung braucht unser Land mehr denn je. Ich hoffe, er ist jetzt beim lieben Gott im Himmel glücklich mit seiner Frau vereint.

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  6. Yvonne Uhlig

    Sehr geehrter Herr Gläser, ich möchte mich recht herzlich bei Ihnen bedanken für die netten Worte über meinen Vater Curt-Eberhardt Jung. Mein Vater war sehr stolz ein Mitglied der AfD zu sein . Ich glaube ganz fest daran, das er vom Himmel aus die Parteiarbeit der AfD von oben verfolgt. Ganz besonders wird er im September 21´ seine schützende Hand über seine geliebte AfD halten.
    Mit freundlichen Grüßen
    Yvonne Uhlig geborene Jung

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  7. Wolfgang + Christa ehem.Java Fans

    Wolfgang Schubert und Christa Schubert, wir sind fassungslos!
    Am 2.Jan. 2021 war er bei uns zum Geburtstag!
    Mit wem können wir nun diskutieren?
    Und wie konnte das sein?
    Schocking!

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  8. Sven Paesler

    Als Kinder sagten wir immer: „‚Jawa- Jung‘ in Pankow“.
    Später, nunmehr selbst Motorradfahrer, lernte ich ihn persönlich kennen. Ein Jahrzehnt ums nächste ging vorbei. Regierungen und Währungen änderten sich. Er blieb.
    In größeren zeitlichen Abständen trafen wir uns, meist zufällig, in Pankow, wenn er im Auto oder mit einem seiner Motorräder unterwegs war. Stets beobachtete er die Motorradfahrer auf der Straße und freute sich über ein bekanntes Gesicht. Dann winkte er auffällig und freudig.
    Hin und wieder besuchte ich ihn seiner Werkstatt. Stets blieb ich länger, als ich beim Eintreffen sagte: „Wollte mal kurz vorbeigucken…“.
    Es entspann sich dann ein meist längeres Gespräch über Dinge der Gegenwart, Persönliches und die Motoradtechnik.
    Bei meinem heutigen Besuch traf ich ihn nicht mehr an.
    Die Nachricht von seinem Tod im Februar traf mich unvorbereitet.
    Im Geiste sehe ich ihn immer noch vor mir. Mit seinem grünen Pullover, der stets die Spuren seiner Tätigkeit trug.
    Eberhardt Jung war ein standhafter Geist und Ruhepol zugleich im tosenden Wandel der Zeit, immer bereit, seine Ansichten offen vorzutragen und auch zu verteidigen. Solche Menschen sind leider rar geworden.
    Nie um einen Wortwitz verlegen war seine mitunter berlinerische Schnodderigkeit zu keiner Zeit böse gemeint. Sie war gleichermaßen ein Selbstschutz und Regulativ zur Markierung seines Terrains.
    Seine direkte Art und die unverstellte Sicht auf die Dinge, gepaart mit der Lebenserfahrung eines Menschen, der als kleiner Junge den Krieg erlebt hat, machten ihn für mich respektierens- und achtenswert. Einer, der sich nicht in die Schubladen der Neuzeit stecken ließ.
    Jetzt wird er das Treiben hier von oben weiterverfolgen. Hier unten fehlt er dennoch.

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