Ronald Gläser, MdA

So lief der erste Hilfstransport in die Ukraine

7.03.2022 | 0 Kommentare

Kriegsflüchtlinge in Dorohusk warten darauf, auf die polnische Seite gebracht zu werden (3. März 2022)

TLDR: Am Donnerstag war ich in der Ukraine und habe eine erste Ladung Hilfsgüter abgeliefert. Die Lage dort war geordnet, aber die Situation ist bedrückend. Wir werden viele Kriegsflüchtlinge bekommen. Jede Hilfe ist willkommen.

Ankunft am Grenzübergang Dorohusk an der polnisch-ukrainische Grenze. Es ist genau eine Woche nach Ausbruch des Krieges. Stoßweise komme Reisebusse auf der polnischen Seite an, spucken ein paar Fahrgäste aus. Es sind fast ausschließlich Frauen und Kinder. Sie verlassen den Bus, weil Freunde oder Verwandte sie direkt an der Grenze abholen.

Die Busse fahren meistens mit den verbliebenen Fahrgästen sofort weiter ins Hinterland, wo notdürftig untergebracht wird, wer kein Ziel hat. Doch langsam sind die Kapazitäten der Polen erschöpft.

Ankunft eines Reisebusses auf der polnischen Seite (3. März 2022)

Auf dem Hinweg habe ich einen Zwischenstopp in Lublin gemacht. Das ist etwa 100 Kilometer im Landesinneren. Alle Zimmer ausgebucht. Das Parkhaus voll mit ukrainischen Wagen. Es sind die gutsituierten Ukrainer mit BMW’s oder sogar Porsches, die sich die guten Hotels leisten können. 

Angesichts eines Durchschnittseinkommens von weniger als 500 Euro sind jedoch die meisten Ukrainer nicht dazu in der Lage, so gute Hotels anzumieten. Manche drängen sich hinten in fensterlose Lieferwagen oder kommen mit alten Ladas über die Grenze. 

Sie alle werden von den Polen herzlich willkommen geheißen. Dabei waren Polen und Ukrainer nicht immer die größten Freunde. Doch in der Not werden keine Feindschaften ausgetragen. Am Grenzübergang stehen Hilfsorganisationen und verteilen Äpfel, Bananen, Wasserflaschen, ja sogar Sim-Karten und fertig gebackene Pizzen. Das sind also die furchtbar ausländerfeindlichen Polen, die partout keine Migranten bei sich aufnehmen wollen. So schnell lassen sich also Lügen der Mainstreammedien auflösen!

Versorgungsstelle für Ukrainer in Zentralpolen – hier erhalten Kriegsflüchtlinge kostenfreies Essen und Getränke

Sofort fand ich einen Busfahrer, der Hilfsgüter in die Ukraine mitnahm. Es handelte sich um Lebensmittel (Konserven, Kekse, Haferflocken, Reis, Nudeln, Schokolade) und Hygieneartikel. Die Spendenbereitschaft ist riesig. Nach meinem ersten Aufruf eine Woche zuvor, hatten mich umgehend mehrere Anrufe erreicht. Darunter meine Parteifreundinnen Marie-Luise und Ursula, die jeweils eine neue Matratze spendeten. Dazu Bettzeug, Babynahrung und -sachen, Lebensmittel und Spielzeug. Diese Dinge hatte ich bereits zur Ukrainehilfe nach Lobetal gebracht. Auch weiterhin gilt: Jede Hilfe ist willkommen. Mehr dazu am Ende des Textes.

In Dorohusk wollte ich nun auch einen Blick auf die ukrainische Seite werfen. Ein Busfahrer brachte mich nach drüben. Dort spielen sich herzzerreißende Szenen ab: Im Minutentakt fahren Autos vor, aus denen Frauen und Kinder aussteigen. Männer verabschieden sich von ihren Töchtern oder Frauen und drehen dann um. Sie fahren zurück in den Krieg.

Die Frauen stehen mit den Kindern in einer Schlange und warten auf den Transfer nach Westen. Es ist wie 1945, als Familien in Ostpreußen und anderswo auseinandergerissen wurden und vor der Roten Armee fliehen mussten. Nur in Farbe und mit Smartphone.

Ich habe mit mehreren Kriegsflüchtlingen gesprochen. Jeder erzählte eine andere Geschichte, aber eines beinhalteten alle: Erst die Berichte über Bomber- oder Raketenangriffe, dann die Angst, dass die Front näherkommen und die eigene Stadt, das eigene Haus zerstören könnte. Eine Frau aus Kiew sagt: „Jede Nacht im Bunker, das war nicht mehr auszuhalten.“ Und das nach nur einer Woche! Wie fühlt sich das wohl erst an, wenn jemand einen Monat oder ein Jahr in einer belagerten Stadt lebt? Ohne Strom und Wasser?

Zu Fuß machen sie Ukrainerinnen und ihre Kinder auf den Weg nach Westen

Es ist klar, dass der Strom von Kriegsflüchtlingen anhalten wird, solange dieser Krieg dauert. Der tapfere Widerstand der Ukrainer, mit dem Putin nicht gerechnet hat, wird diesen Krieg jetzt in die Länge ziehen.

Alexandra kommt, Abdul geht

Das heißt für uns, dass wir uns auf die dauerhafte Unterbringung von Kriegsflüchtlingen einstellen müssen. Auch in Deutschland, auch in Berlin. Damit komme ich zu einem Thema, über das in diesem Zusammenhang auch gesprochen werden muss: Für die jene Flüchtlinge, die seit 2014/15 vermehrt zu uns gekommen, ist nun weniger Platz da. Der Senat muss jetzt die Gelegenheit ergreifen und seine multikulturellen Phantasien abhaken. Es kann nur klappen mit den ukrainischen Kriegsflüchtlingen, wenn wir die Kapazitäten nicht länger mit illegalen Einwanderern auslasten. Tausende von denen haben ein erfolgloses Asylverfahren durchlaufen und werden dennoch nicht abgeschoben. Das ist unfair echten Bedürftigen gegenüber. Und was ist mit kriminellen oder fundamentalistischen Zuwanderern? Wieso werden sie seit Jahren geduldet und ausgehalten? Die Chance ist jetzt da, eine Kehrtwende vorzunehmen. Asyl bzw. Schutz für diejenigen, die ihn wirklich benötigen – und nicht jene, die nur ein besseres Leben oder einen spannenden Abenteuerurlaub suchen. (Das ist legitim, aber es ist nicht die Aufgabe des deutschen Steuerzahlers, solche Träume zu verwirklichen.)

In diesem Zusammenhang: Das Netz explodiert förmlich von glaubwürdigen Berichten über Migranten, die sich unter die Ukrainer gemischt haben. Ich kenne die Bilder vom Hauptbahnhof, wo sich illegale Einwanderer unter die Kriegsflüchtlinge mischen. Das dürften nicht zuletzt von Präsident Lukaschenko zur Schleusung nach Polen vorgesehene Migranten sein. Sie kommen in beträchtlicher Zahl in Polen und Deutschland, auch in Berlin, an. So ein Asylbetrug ist zu unterbinden. Polen muss wie bisher eine klare Linie fahren und die EU-Außengrenzen schützen. Wer aus der Ukraine fliehen möchte und kein Ukrainer ist, der sollte in sein Heimatland gehen. Das wäre der richtige Weg. Es darf keine illegale Masseneinwanderung unter dem Deckmantel der Flucht vor dem Krieg geben. Wenn die Regierung die Aufnahme- und Hilfsbereitschaft der Deutschen ausnutzt, um alle Schleusen zu öffnen, wird sie in Kürze nur Zorn und Missmut (auch gegenüber den Kriegsflüchtlingen) auslösen.

Die Polen kontrollieren zwar genau, wer in die EU einreist. Diese Erfahrung habe ich gemacht, als ich eine Stunde lang warten musste, bis ich wieder einreisen durfte. Aber ob sie auch jeden illegalen Einwanderer aufhalten? Mir ist auf der polnischen Seite in Dorohusk ein Schwarzer entgegenkommen, der sich als Berliner entpuppte. Was er hier macht? „Ich arbeite für eine Hilfsorganisation und will meine Leute abholen.“ Trotzdem kann ich sagen, dass die Zahl der vermeintlich illegalen Einwanderer winzig war – verglichen mit den vielen Frauen und Kindern, die ich an diesem Tag habe kommen sehen.

Hilfstransport der Jungen Alternative in die Ukraine

Tolle Aktion der Jungen Alternative

Auch die Junge Alternative hat inzwischen einen Hilfstransport auf die Beine gestellt. Die jungen Leute machen großartige Arbeit. Wer sie unterstützen mag, kann das hier tun:

Spenden per Überweisung, IBAN: DE05 1005 0000 0190 2934 97, Verwendungszweck: Hilfe für Ukraine

Oder mit Paypal.

Ich fahre möglicherweise in Kürze nochmal dorthin, kann aber nur bedingt Sachen entgegennehmen oder zwischenlagern. Wenn doch, dann werde ich noch bescheid geben. Auf jeden Fall informiere ich alle Freunde über den Fortgang und bedanke mich herzlich für jede Hilfe. Lassen wir die Ukrainer nicht im Stich.

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