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Die Strandpromenade von Tel Aviv, Minuten vor dem Anschlag am Karfreitag 2023

Schreckmoment einer Reise: Ich habe die Osterfeiertage mit meinen Kindern in Israel verbracht. Am ersten Tag nach unserer Ankunft gingen wir abends eine Pizza essen und schlenderten in der sommerlichen Atmosphäre die Strandpromenade zurück zu unserem Hotel, dem Grand Beach.

Eine Stunde später war dort die Hölle los. 

Abu Jaber aus Kafr Qasem in Israel lenkte seinen Wagen auf die Fahrradspur und überrollte mehrere Personen. Der 44jährige Araber tötete dabei einen 37jährigen römischen Anwalt namens Alessandro Parini und verletzte fünf weitere Personen zwischen 17 und 74 Jahren, allesamt britische und italienische Touristen. Wer fühlt sich da nicht an den schrecklichen Anschlag am Breitscheidplatz vom 19. Dezember 2016 erinnert?

Im Hotelzimmer hörten wir die Sirenen und dachten uns nichts weiter dabei, da in Tel Aviv auch ohne Terroranschläge oft Polizeifahrzeuge zu hören sind. Am nächsten Tag sahen wir an der Promenade Aufräumarbeiten und Polizisten. 

Das ist Israel auf die aufregende Art. Du kommst hin, und sofort gibt es einen Terroranschlag an dem Strand, an dem du dich gerade noch in die Fluten des Mittelmeeres gestürzt hast. 

Die Klagemauer und der Felsendom in der Altstadt von Jerusalem

Aber das ist nur ein bizarrer Ausschnitt aus der Wirklichkeit. In Wahrheit habe ich mich in Israel sehr sicher gefühlt. Abends kannst du im Dunkeln durch den Park gehen. Nie hat uns ein Taschendieb aufgesucht. An vielen Stellen ist Polizei präsent. Der Nahost-Konflikt ist auch hier ein abstraktes Wort, das sich nicht automatisch im eigenen Hausflur oder im Nachbarblock abspielt. Jüdische Siedler im Palästinensergebiet oder die Bewohner des Gaza-Streifens werden andere Erfahrungen machen, aber im großen und ganzen ist Tel Aviv ebenso lebendig wie lebenswert – und nicht sehr gefährlich.

Die Mordrate Israels ist höher als in Deutschland, aber im internationalen Vergleich nicht phänomenal hoch. Und das trotz der vielen Terrorangriffe, die das israelische Außenministerium akribisch auflistet. Die letzten verfügbaren Zahlen von 2019 sehen Israel im Mittelfeld zwischen der Slowakei und Finnland.

Dejavu nach 25 Jahren

1998 war ich zum ersten Mal da und habe einiges sofort wiedererkannt. In Massada hat sich nichts geändert. Was soll sich auch in einer 2000 Jahre alten Wüstenfestung groß ändern?

Die Wüstenfestung Massada von König Herodes, erobert von einer römischen Legion – die Verteidiger nahmen sich das Leben

Tel Aviv hingegen habe ich kaum wiedererkannt. Wie gesagt: Vor 25 Jahren war ich schon einmal dort. Das war kurz vor dem Regierungsumzug aus Bonn nach Berlin. Und wir Berliner denken, dass es nirgendwo so große Veränderungen (im Positiven wie im Negativen) wie in unserer wiedervereinigten Stadt gegeben hat. Aber das stimmt nicht. Tel Aviv hat sich von einer beschaulichen Stadt zu einer Millionenmetropole weiterentwickelt. Die Stadt sieht jetzt noch mehr als damals aus wie Miami.

Tel Aviv, die junge Millionenmetropole am Mittelmeer

In Jerusalem hingegen ist viel beim Alten geblieben. In der Altstadt leben mehr Leute unterschiedlicher Glaubensrichtungen auf weniger Platz zusammen, so dass es hier rund um die religiösen Orte öfter zu Spannungen kommt. Die Grabeskirche habe ich zum ersten Mal besucht und war beeindruckt von diesem heiligsten Ort der Christenheit. So viele Besucher aus aller Herren Länder, von denen einige offenbar mit letzter Kraft dorthin kommen, um zu beten – das ist beeindruckend. Frauen lassen sich vor einem Stein nieder, um ihn zu berühren. Geistliche verteilen Weihrauch im Minutentakt für die unterschiedlichen Richtungen wie römisch-katholisch oder griechisch-orthodox. Jede Gruppe hat ihren eigenen Raum, ihre eigene Nische, ihren eigenen Schrein. Wer von diesem Geist nicht erfasst wird, der muss wirklich ein hartnäckiger Atheist sein.

Im Inneren der Grabeskirche, wo Gläubige aller christlichen Religionen zu Hause sind

Zu unseren weiteren Stationen gehörten Galiläa, also das fruchtbare Land rund um den See Genezareth, in dem Jesus lange Zeit gelebt hat, und das Tote Meer. Dort  – mitten in der Wüste – ergoss sich ein Sturm über uns, der so stark war, dass manche Straßen unpassierbar wurden. Die Reisebegleiter meinten, so etwas hätten sie in all den Jahren hier noch nicht erlebt. So bietet Israel Überraschungen selbst für diejenigen, die ständig dort leben. Und für uns Touristen sowieso. Für mich war es eine außergewöhnlich lehrreiche Reise.

Kaum zurück in Berlin durfte ich mich wieder um das politische Alltagsgeschäft kümmern. Mit Polizeischülern diskutierte ich gestern im Abgeordnetenhaus über Kuscheljustiz, über importierte Kriminalität und über jugendliche Migranten, die schwer zu integrieren sind und sich oft genug auch nicht integrieren wollen. 

Wer das laufen lässt und statt auf Strafen nur auf Sozialarbeiter und Multikulti-Projekte setzt, der darf sich nicht wundern, wenn sein Land zur Hölle auf Erden wird. Was wir brauchen, das sind harte Strafen und Abschiebungen von kriminellen Gewalttätern, die nicht zu uns passen. Einwanderung muss an Kriterien wie Nutzen für das Aufnahmeland und Vereinbarkeit mit unserer Kultur geknüpft werden. Und Straftäter wie Kafr Qasem brauchen eine klare Antwort: Die israelische Polizei hat am Abend des Karfreitag nicht lange gefackelt. Nachdem er einen Mann getötet und mehrere Opfer verletzte hatte, überschlug sich sein Fahrzeug. Bevor er aussteigen und weitere Passanten in den Tod mitreißen konnte, wurde er von einem Polizisten erschossen.